Archive für 18.9.2008

Der tägliche Crash

Von Uwe Jean Heuser | © DIE ZEIT, 18.09.2008 Nr. 39

Die Krise hat ihren Höhepunkt erreicht: Ist der Finanzkapitalismus am Ende?

Die New Yorker Börse am Dienstag: Am Montag hatte der Crash der Lehman-Bank die Finanzwelt erschüttert, einen Tag später gingen die Kurse auf Talfahrt.

Erst platzte nur die Immobilienblase, und das war schlimm genug. Doch jetzt birst eine viel größere Blase – die des angelsächsischen Finanzkapitalismus selbst. Aufgepumpt durch die Gier der Banker, das billige Geld der US-Zentralbank und unverantwortlich handelnde Politiker, ist er zum instabilen Gebilde mutiert.

Der Finanzsektor in den USA griff sich einen unnatürlich großen Teil vom gesamten Kuchen. Man muss sich das einmal vorstellen: Zwischen 1982 und 2007 hat sich der Anteil der Gewinne der US-Finanzindustrie an der Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten versechsfacht. Am Ende rissen die Banker ein Drittel aller Unternehmensgewinne an sich. Erst standen hinter der Entwicklung echte Innovation und Leistung, sei es durch neue Finanzprodukte oder geschickte Spekulation. Doch dann schlug die Methode in Wahnsinn um. Die Banker verscherbelten unsichere Kredite als Spitzenware, wurden reich und reicher – und entzogen sich selbst den Boden. Den Rest des Eintrags lesen »

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